CFP Maschinen-Modernismen = Machine Modernisms: Jahrestagung 2023 der BaGraLCM

Call for Papers (deutsch)

English version below!

Maschinen-Modernismen

Dritte Jahrestagung der Bamberger Graduiertenschule für Literatur, Kultur und Medien

16-17. JUNI 2023

Veranstalterinnen

Kurzbeschreibung

Die zweitägige interdisziplinäre Konferenz widmet sich einer Neubetrachtung modernistischer Diskurse mit dem Ziel, die pluralen Figurationen der Maschine – als Mythos, Kult und industrielle Innovation – im Zeichen der Moderne und des Modernismus zu beleuchten.

Maschinen zählen zu den wesentlichen materiellen und ästhetischen Phänomenen der Moderne und sind eng mit anderen Begriffen wie Fortschritt, Mobilität, Luftfahrt, Beschleunigung und technische Eleganz verbunden. Doch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Maschinenwelten der Moderne oszilliert kurioserweise zwischen vorwiegend künstlerischen Ansätzen, die das Sensorium der Maschine und ihr utopisches Potenzial herausstellen (bzw. ihre Verflechtung mit faschistischen Kunstformen), einerseits und politischen Bewertungen des maschinengetriebenen Kapitalismus andererseits, ohne diese beiden Ansätze schlüssig miteinander zu verknüpfen.

Unsere Tagung Maschinen-Modernismen geht beiden Aspekten nach, indem sie die pluralen Resonanzformen der Mechanisierung untersucht: sowohl mechanophile als auch mechanophobische Tendenzen der Moderne. Im Mittelpunkt stehen Literatur, Kunst und Medien sowie die zentralen Manifeste, die den Nährboden des Modernismus bilden, von Futurismus und Dadaismus bis hin zu Surrealismus und Vortizismus.

Das Themenspektrum reicht von ästhetischen Ansätzen, wie der Ikonizität und Symbolkraft der Maschine in der bildenden Kunst, über die zunehmende Reizüberflutung in der Massengesellschaft und im urbanen Raum, bis hin zu politischen Perspektiven darauf, wie sich das Maschinenzeitalter auf Arbeitswelt, Sozialstrukturen und die Psyche des Einzelnen auswirkte, und zu transnationalen Dimensionen, wie dem Kulturtransfer zwischen Europa und Nordamerika in Zeiten großer Migrationsbewegungen und zweier Weltkriege.

Keywords: Modernismus, Technologie, Maschinenästhetik, Industrialisierung, Innovation, Automatisierung, Beschleunigung, Mobilität, Zeit und Zeitlichkeit, Arbeit, Sensorium, Stimulation

Denkbare Themen

Denkbare Themen sind unter anderem:

1. Automatisierung und Arbeit: Wie fließt die Mechanisierung der Arbeit in die Diskurse der Moderne ein?

  • Technologische Neugestaltung der Arbeitsbedingungen
  • Fordismus und das Fließband
  • Aufstieg der Automaten: Kommodifizierung der Arbeit Entsorgbarkeit der Arbeitskräfte
  • Neugestaltung von Zeit- und Raumerfahrungen im industriellen Kapitalismus
  • Automatisierung und das Entstehen einer Massenkultur
  • Die technologische Revolution der Moderne als Vorstufe der Digitalisierung

2. Maschinen-Zärtlichkeit: Was faszinierte die Futuristen an der metallischen Geschmeidigkeit und dem prosthetischen Potenzial von Maschinen?

  • Futurismus und Maschinenfetischismus
  • Futuristische Maschinenpoetik vs. tayloristischer Arbeitsrealismus
  • Modernistischer Maschinenkult vs. Maschinenangst
  • A-politische und utopische Strömungen des Maschinenmodernismus
  • Die Verschmelzung von Mensch und Maschine
  • Futurismus und Faschismus
  • Die Mechanisierung des Krieges (automatische Waffensysteme, Luftkrieg)

3. Holy Motors: Wie werden Motorfahrzeuge – als soziales Agens und Inbegriff der Massentechnologie – in den Narrativen der Moderne dargestellt?

  • Folgen der Entdeckung großer Erdölvorkommen in den frühen 1900er Jahren
  • Automobilkultur und die Erfahrung des schnellen Fahrens, auch durch verwandte Technologien wie das Motorrad und das Flugzeug
  • Der Übergang von vormodernen Brennstoffen (Kohle, Holz) zu dem für Verbrennungsmotoren benötigten Erdöl
  • Euphorische Karbonisierung und ökologische Ignoranz gegenüber toxischer Erdölkulturen
  • Das Entstehen neuer Kontaktzonen jenseits von Race-, Klassen- und geografischen Grenzen, begünstigt durch den Maschinenverkehr (U-Bahnen, Autobahnen)
  • Figuration der weiblichen Gestalt innerhalb dieser „typisch“ männlichen Symbolik

4. Das Kino als Maschine: Wie entwickelte sich das Kino als optisches Dispositiv zum prägenden Gestaltungsmedium à la mode nach der Fotografie?

  • Zeit/Raum-Erfahrungen (auch im Kinosaal selbst)
  • Die Reizfülle der mechanisierten Filmerfahrung (Seh-, Ton-, Geruchserlebnis) im Vergleich zu anderen Medien wie Fotografie und Radio
  • Bewegte Bilder und ihre Fokussierung auf Schnelligkeit und flüchtige Momente
  • Eine Rückbesinnung auf das „Spektakuläre im Alltäglichen“.
  • Performativität auf der Leinwand vs. im Realleben; Projektionen der modernen Gesellschaft
  • Die technischen Apparate, die dem Film zu seiner enormen Popularität verhalfen (als Massenprodukt und Re-Produktionsobjekt)
  • Reflexionen über das Maschinenzeitalter in den verschiedenen Filmströmungen wie der Avantgarde

Keynote-Vortragende

  • Caroline Pollentier, Sorbonne Nouvelle (angefragt) – On Virginia Woolf and the Automobile
  • Adrian Curtin, University of Exeter (angefragt) – Avant-Garde Theater and the Sound of Modernism
  • Alex Goody, Oxford-Brookes University (angefragt) – Gender, Technology, and American Modernism
  • Joshua Lam, Michigan State University (Zusage) – Race, Automation, and US Modernism

*Die Keynotes sind zur Zeit noch in der Planungsphase, wir rechnen jedoch mit einem oder mehreren der oben genannten Wissenschaftler*innen.

Abstracts

Graduierte und Nachwuchswissenschaftler*innen können bis spätestens 30. September 2022 einen Abstract von ca. 300-500 Wörtern in englischer oder deutscher Sprache sowie einen Kurzlebenslauf (in einer Datei) ebenfalls in englischer oder deutscher Sprache per E-Mail an machine-modernism.bagralcm@uni-bamberg.de einreichen.

Bild: Georgia O’Keeffe—Hand and Wheel – photograph by Alfred Stieglitz (MET, 1997.61.39)

 


 

Call for Papers (in English)

Machine Modernisms

Third annual conference of the Bamberg Graduate School of Literature, Culture, and Media

JUNE 16–17, 2023

Organizational Team

Summary

This two-day interdisciplinary conference calls for a renewed exploration of Modernist discourses to reflect on the plural iterations of the machine – as a myth, cult, and mechanical product – within the context of Modernism and modernity.

The machine was a central material and aesthetic category of Modernism, closely related to others such as progress, mobility, flight, speed, and mechanical beauty. Yet scholarly approaches to the machine worlds of modernity have oddly oscillated between mainly aesthetic approaches, emphasizing the sensorium of the machine and its utopian promise (or complicity with fascist artmaking), on the one hand, and political critiques of machine-driven capitalism on the other, without bringing these two strands together in any consistent way.

Our conference Machine Modernisms does both by looking at the plural responses engendered by mechanization: both mechanophilia and mechanophobia in reflections of modernity. Our focus is on literature, arts, and media, as well as on the central manifestos that distilled the fertile climates of Modernism, from Futurism and Dadaism to Surrealism and Vorticism.

We invite a variety of topics and approaches, ranging from the aesthetic, including the iconicity and symbolism of the machine in the visual arts, as well as the emerging excess of mechanical stimuli in mass society and urban spaces; to political critiques of how the Machine Age affected labor, social relations, and the human psyche itself; to the transnational, such as the cultural transfers between Europe and America in the midst of mass migration and two World Wars.

Keywords: modernism, technology, machine aesthetics, industrialization, innovation, automation, speed, mobility, time and temporality, labor, sensorium, stimuli

Potential Topics

Potential topics include, but are not limited to:

  1. Automation and Labor: How does the mechanization of labor inform Modernist discourses?
    • Technological reshaping of labor conditions
    • Fordism and the assembly line
    • Rise of the automata: labor commodification and disposability of the workforce
    • Reconfiguration of time and space under industrial capitalism
    • Automation and the rise of mass culture
    • Modernist technological revolution as a prelude to digitalization
  2. Machine Tenderness: Why were Futurists so enamored with the metallic smoothness and prosthetic potential of machines?
    • Futurism and machine fetishism
    • Futurist machine poetics vs. Taylorist labor realism
    • Modernist machine cult vs. machine angst
    • A-political and utopian strands of machine Modernism
    • The blending of man and machine
    • Futurism and fascism
    • The mechanization of warfare (automatic weapons, air war)
  3. Holy Motors: How do motorized vehicles – as social agents and emblems of mass technology – feature in Modernist narratives?
    • Impact of large petroleum deposits discovered in early 1900s
    • Car culture and the experience of speed, also through related technologies like motorcycles and airplanes
    • The shift from pre-modern fuels (coal, wood) to the crude oil needed for combustion engines
    • Carbon euphoria and ecological ignorance of a toxic petroculture
    • The emergence of new contact zones across divides of race, class, and geography enabled by machines (subway, motorways)
    • The figuring of the female form in this ‘classically’ masculine emblem
  4. The cinema as machine: How did cinema as an optical apparatus emerge as the means of expression à la mode after photography?
    • The experience of time/space (also in the movie theater itself)
    • The richness of stimuli in the mechanical film experience (sight, sound, smell) vs. other media like photography and radio
    • Motion pictures and their emphasis on speed, fleeting moments
    • A reinvestment in the ‘spectacular of the everyday’
    • Performativity on screen vs. in real life; projections of modern society
    • The machinery that enabled cinema’s enormous popularity (as a mass-produced, re-produced object)
    • Meditations on the Machine Age within film movements such as the avant-garde

Prospective Keynote Presenters

  • Caroline Pollentier, Sorbonne Nouvelle (contacted) – On Virginia Woolf and the Automobile
  • Adrian Curtin, University of Exeter (contacted) – Avant-Garde Theater and the Sound of Modernism
  • Alex Goody, Oxford-Brookes University (contacted) – Gender, Technology, and American Modernism
  • Joshua Lam, Michigan State University (accepted) – Race, Automation, and US Modernism (remote lecture via Zoom)

*Keynotes are presently under negotiation, though we expect one or more of the aforementioned scholars.

Submissions

We invite graduates and young scholars to submit abstracts of around 300–500 words in English or German along with a brief bio statement (in one file) either in English or in German to machine-modernism.bagralcm@uni-bamberg.de, no later than September 30, 2022.

Image title/ source: Georgia O’Keeffe—Hand and Wheel – photograph by Alfred Stieglitz (MET, 1997.61.39)

 

Zitieren dieses Eintrags: Iris Pikouli, „CFP Maschinen-Modernismen = Machine Modernisms: Jahrestagung 2023 der BaGraLCM“, in Literatur, Kultur, Medien, 18. Juni 2022, https://bagralcm.uni-bamberg.de/cfp-machine-modernisms/.
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