Diversity-Gastprofessur Alexander Yao Cobbinah

Mitteilung

Vom 29. November bis 15. Dezember 2021 forscht und lehrt Herr Prof. Dr. Alexander Yao Cobbinah (Universität São Paulo) am Institut für Romanistik der Universität Bamberg im Rahmen der von der Universitätsleitung finanzierten internationalen Diversity-Gastprofessuren. Prof. Cobbinah wird eine Blockveranstaltung leiten, einen Gastvortrag halten, einen zweitägigen Online-Workshop mitkoordinieren und in mehreren Forschungsklausuren zum Obra Nova de Língua Geral de Mina von Antonio da Costa Peixoto mitarbeiten. Zudem steht Herr Prof. Cobbinah für Gespräche mit Doktorand*innen zur Verfügung.

Blockveranstaltung

In der Lehrveranstaltung „V/Ü: Kultureller Widerstand in Lateinamerika“ (Prof. Dr. Enrique Rodrigues-Moura) findet unter der Leitung von Herrn Prof. Cobbinah eine Blockveranstaltung mit dem Titel »West-Afrikanisches Erbe in Kolonialbrasilien Sprache, Kultur und Widerstand in Minas Gerais« statt (hier) (Seminarraum LD25; Ludwigstraße 25).

Gastvortrag

Am Montag, den 13. Dezember 2021, hält Prof. Cobbinah einen Gastvortrag mit dem Titel »Rhetorik und pragmatische Strukturen im transatlantischen Sprachkontakt. Tail-Head Linkage in den portugiesisch basierten Kreolsprachen der Oberguineaküste«. (Seminarraum LD25; Ludwigstraße 25)

Abstract

Teil-Head Linkage ist eine in südsenegalesischen Sprachen geläufige Diskursstrategie, bei der die Sprecher durch häufige Wiederholungen und Rückgriffe Kohäsion innerhalb von Narrativen schaffen. Diese Strategie ist in der Region über genetisch definierte Sprachfamilien hinweg verbreitet und auch in den lokal gesprochenen portugiesisch basierten Kreolsprachen attestiert, was die Vermutung nahelegt, dass es sich hierbei um areale Phänomene handelt. Der Vortrag präsentiert vergleichend Daten aus verschieden Sprachen der Region mit der Intention das Potential pragmatischer und rhetorischer Strukturen in Situationen von Sprachkontakt und der sogenannten Kreolisierung aufzuzeigen, und sprachliche Entwicklungen in der gesamten transatlantischen Sphäre unter einer neuen Perspektive zu betrachten. Dieser Ansatz ermöglicht es, das kulturelle Erbe und dessen gezielte Erhaltung und Weitergabe von Seiten der afrikanischen Beteiligten auch linguistisch nachzuweisen und zu untersuchen.

Online-Workshop

Am 7. und 8. Dezember findet ein Online-Workshop mit internationalen Teilnehmer*innen (São Paulo, München, Bamberg, Rio de Janeiro etc.) statt. Titel des Workshops: »Historical perspectives on Linguistics and Cultural exchanges between the African Costa da Mina and Minas Gerais/Brazil«Ziel des Workshops ist es, die soziokulturellen und wirtschaftlichen Dreiecksbeziehungen des »Black Atlantic« zwischen Portugal, seiner Übersee-Kolonie und dem Golf von Benin besser zu verstehen. Denn der Handel mit Sklav*innen, Gold und Tabak generierte immense Reichtümer und brachte neue Formen der Transkulturierung, Kreolisierung und Hybridisierung von Identitäten hervor. Der Workshop findet in englischer und portugiesischer Sprache statt. Das Institut für Romanistik (Professur für Romanische Literaturawissenschaft/Hispanistk) der Universität Bamberg und das Laboratório de Estudos Linguísticos Transatlânticos (LELT-USP) der Universität São Paulo fungieren als Koordinatoren des Workshops. Detaillierte Informationen über den Workshop folgen demnächst. Koordination: Prof. Dr. Enrique Rodrigues-Moura, PD Dr. Christina Märzhäuser (LMU München) und Prof. Dr. Alexander Yao Cobbinah (Universität São Paulo). Interessierte sind gebeten, sich an Enrique Rodrigues-Moura zu wenden.

Professor Cobbinah wird im Rahmen der von der Universitätsleitung finanzierten internationalen Diversity-Gastprofessuren an der Universität Bamberg sein. In dieser Hinsicht steht sowohl die Vorlesung, der Gastvortrag, der Online-Workshop als auch die Blockveranstaltung im Einklang mit der strategischen Neuausrichtung der Universität Bamberg, die eine erhöhte Wertschätzung und Sichtbarkeit individueller wie kultureller Vielfalt in Forschung und Lehre anstrebt. Diese Ausrichtung verbindet sich auch mit der Internationalisierungsstrategie unserer Universität.

Prof. Dr. Alexander Yao Cobbinah hat zunächst an der Universität zu Köln seinen MA in Sprachwissenschaft erworben und dann an der SOAS University of London im Bereich der afrikanischen Sprachwissenschaft promoviert. Es folgten zwei Post-Doc-Stipendien mit Feldforschungen in Afrika. Derzeit ist Herr Cobbinah Professor an der Universität von São Paulo, wo er u.a. zur historischen Präsenz und dem Überleben afrikanischer Sprachen und Kulturen in Brasilien forscht.

Publikation

Darüber hinaus wird sein Aufenthalt in Bamberg der Vorbereitung folgender Publikation gewidmet sein: (2022) Peixoto, Antonio da Costa. Obra Nova de Língua Geral de Mina. Christina Märzhäuser & Enrique Rodrigues-Moura (eds.). Bamberg: University of Bamberg Press (= Bamberger Editionen 18). (in Vorbereitung, ca. 350 S.).

Die in kultureller und linguistischer Hinsicht bemerkenswerte Obra nova de língua geral de Mina wurde 1731 (Kurzfassung) bzw. 1741 (druckreifes Manuskript) von Antonio da Costa Peixoto im brasilianischen »Minas Gerais« verfasst. Es handelt sich bei Peixotos Glossar um eine der ersten beiden bekannten Primärquellen zu den von afrikanischen Sklaven in Brasilien gesprochenen Herkunftssprachen und damit um ein linguistisch und kulturell äußerst bedeutsames Dokument.

Seit der ersten (inhaltlich zensierten) Druckfassung des Dokuments von Peixoto (Silveira 1944/45) wurden weiterführende Untersuchungen zur Obra nova von Araujo, Castro, Fernandes, Petter, Rodrigues, Souza et alii durchgeführt. Inhaltlich ist Peixotos Obra Nova besonders durch vielfältige Ausdrücke aus dem Lebensalltag, Dialoge zur Interaktion zwischen afrikanisch- und europäisch-stämmigen Akteur*innen auch sozio-historisch sehr aufschlussreich. Das Glossar bietet eine produktive Grundlage für interdisziplinäre Forschung. In der Geschichtswissenschaft sind in den letzten Jahren große Fortschritte dabei erzielt worden, demographische, ethnische, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte zu der im 18.Jh als »Mina« bezeichneten Bevölkerungsgruppe und Befunde aus deren Herkunftsregion im Golf von Benin zusammenzutragen. Soziolinguistische und soziokulturelle Aspekte sowie Geschlechterverhältnisse wurden dabei jedoch, insbesondere im Hinblick auf die Inhalte noch nicht ausreichend untersucht.

Ein Blick auf das Mikro-Level der inter-ethnischen Interaktionen, die sich in den Dialogen der Obra Nova spiegeln, zeigt, dass sich Positionen von Macht und Unterlegenheit in einem ständigen Aushandlungsprozess befanden. Der Inhalt des Dokuments zeigt ambige Machtverhältnisse auf, der Blickwinkel des Autors Peixoto wechselt ebenfalls häufig: Die Dialoge zeigen eine beträchtliche Handlungsmacht seitens derjenigen Akteur*innen, die in der gewöhnlichen Sichtweise europäischer Kolonialherren als Subalterne galten, darunter Beispiele für erfolgreiches Handeln afrikanischer Frauen. Die Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen anhand der in Peixotos Obra Nova dargestellten Begegnungen zwischen ,Schwarzen‘ und ,Weißen’ beleuchtet die sozioökonomische Logik von Solidarität und Wettbewerb zwischen Angehörigen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen (hinsichtlich Gender, Ethnizität, rechtlichem Status, Vermögen und Religion/Weltanschauung) in der Gesellschaftsstruktur des kolonialen Minas Gerais.

Siehe auch

(2022) Märzhäuser, Christina / Rodrigues-Moura, Enrique. »Linguistic Expression of Power & Subalternity in Peixoto (1741) Obra Nova de Língua Geral de Mina«. In: Karen Bennett / Angelo Cattaneo (eds.). Language Dynamics in the Early Modern Period. London: Taylor & Francis / Routledge (forthcoming, ca. 20 S.)

(2021) Märzhäuser, Christina / Rodrigues-Moura, Enrique. »A Obra nova de Língua Geral de Mina (1731/1741) de Antonio da Costa Peixoto. Edição de um testemunho de língua(s) Gbe em Minas Gerais & Breve estudo do campo semântico ‘alimentos’«. In: Enrique Rodrigues-Moura (org.). Letras na América Portuguesa. Autores – Textos – Leitores. Bamberg: University of Bamberg Press, 293–301.

September 2019 – Poster »A Obra nova de Língua Geral de Mina (1731/1741) de Antonio da Costa Peixoto – Edição de um testemunho de língua(s) Gbe em Minas Gerais & breve estudo do campo semântico ‘alimentos’« (zusammen mit Christina Märzhäuser) im Rahmen der internationalen Tagung »Räume, Grenzen und Übergänge in der portugiesischsprachigen Welt«, Lusitanistentag 2019, Universität Augsburg, 11.–14. September.