Gastvortrag und Master-Class Prof. Honold, Einladung zur Teilnahme: 17./18. Juni und 8./9. Juli

Veranstaltung

Im Sommersemester 2020 übernimmt der Basler Germanist Prof. Dr. Alexander Honold die internationale Johann von Spix-Professur der Otto Friedrich Universität Bamberg. Wir freuen uns sehr, dass der international renommierte Literatur- und Kulturwissenschaftler im Rahmen der Gastprofessur zwei öffentliche Vorträge und zwei Master-Classes für die Graduiertenschule Literatur, Kultur und Medien (BaGraLCM) und die Bamberger Graduiertenschule für Mittelalterstudien (BaGraMS) anbieten wird.

Vgl. dazu unsere Vorankündigung für die Graduiertenschule vom Februar 2020!

 

Poetik des Fremden: Literatur im Diskursraum von Postkolonialismus, Interkulturalität und Mehrsprachigkeit

1. Online-Abendvortrag per Zoom: Mi, 17. 06., 18 h
Workshop:     Do, 18. 06., 9 – 12 h.

Die Ordnung der Zeit: Astronomische Mimesis und Kalenderpraktiken in der Kultur- und Literaturgeschichte

2. Online-Abendvortrag per Zoom: Mi, 08. 07., 18 h
Workshop: Do, 08. 07., 9 – 12 h.

 

Zoom-Zugang zu den Vorträgen

Alle Vorträge finden über Zoom statt:

Zoom-Meeting beitreten: https://unibas.zoom.us/j/98171751688; Meeting-ID: 981 7175 1688

 

Die Vorträge und Workshops im Detail

1. Online-Abendvortrag per Zoom

Mi, 17. 06., 18 h

Prof. Dr. Alexander Honold: Poetik des Fremden.
Literatur im Diskursraum von Postkolonialismus, Interkulturalität und Mehrsprachigkeit

In der deutschsprachigen Literatur- und Kulturwissenschaft fand in den letzten beiden Jahrzehnten eine intensive Rezeption von internationalen Theoriedebatten statt, die sich mit den kulturellen Formen und Folgen des Kolonialismus und mit Prozessen der Dekolonisierung beschäftigen. Entgegen landläufiger Meinungen erweist sich bei genauerem Blick auch die deutsche (Kultur-)Geschichte trotz der vergleichsweise eher kurzen Kolonialphase auf vielfache Weise von Phänomenen des Kolonialismus geprägt. Hinzu kamen in der Nachkriegssituation, nach dem Mauerfall und in der Gegenwart verschiedene Phasen interkulturellen und mehrsprachigen Zusammenlebens, die gleichfalls ihren Niederschlag in literarischen Deutungsmustern gefunden haben.

Der Vortrag steckt in einer Überblicksdarstellung das Theoriefeld der Ansätze von Postkolonialismus, Interkulturalität und Mehrsprachigkeit ab. In einem historischen Abriss werden die antiken Ursprünge von kulturellem Kolonialismus freigelegt, Formen des Fremdkulturellen in der Vormoderne beleuchtet sowie die Anfänge und Verlaufsformen globalisierter Kulturzusammenhänge in Moderne und Gegenwart nachgezeichnet. Der anschließende Workshop richtet in aktueller Perspektive das Augenmerk auf spezifische Formen und Problemgebiete des Umgangs mit dem/den Fremden in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

1. Online-Workshop per Zoom

Do, 18. 06., 9 – 12 h

Prof. Dr. Alexander Honold: Poetik des Fremden.
Literatur im Diskursraum von Postkolonialismus, Interkulturalität und Mehrsprachigkeit

Der Workshop richtet sich an DoktorandInnen der Graduiertenschule Literatur, Kultur und Medien und interessierte Master-Studierende. Er knüpft thematisch an den Abendvortrag vom 17.6.2020 an. Gemeinsame Lektüregrundlage ist die Erzählung von Christoph Ransmayr: Der Weg nach Surabaya, die in den VC-Kurs des Workshops eingestellt wird (https://vc.uni-bamberg.de/course/index.php?categoryid=3208). Jenseits des Gesprächs über die Poetik des Fremden besteht für die TeilnehmerInnen im Workshop die Gelegenheit, eigene Themen und Arbeitsprojekte einzubringen und ggfs. im Hinblick auf die Rahmenthematik zu erörtern. Am besten setzen Sie sich vorab per E-Mail Kontakt mit dem Dozenten in Verbindung (alexander.honold(at)unibas.ch), um ein paar Stichworte zu Ihrem Projekt mitzuteilen, ggf. auch Interessenschwerpunkte und Textvorschläge.

 

2. Online-Abendvortrag per Zoom

Mi, 08. 07., 18 h

Prof. Dr. Alexander Honold: Die Ordnung der Zeit.
Astronomische Mimesis und Kalenderpraktiken in der Kultur- und Literaturgeschichte

Wie stark unsere gesellschaftlichen Zusammenhänge allgemein und besonders auch die Literatur als ‚Zeitkunst‘ von denjenigen Rhythmen und Verlaufsformen durchwirkt ist, mittels derer sich die Gestirne und Planeten dem menschlichen Leben früherer Kulturstufen eingeschrieben haben, wird erst deutlich, wenn wir den weit zurückreichenden Traditionslinien der neuzeitlichen Kalenderordnung nachgehen. Die Zwölfzahl der Monate und Tierkreiszeichen, die sieben Planeten und Wochentage, überhaupt: der Rundlauf des Uhrzeigers auf dem Zifferblatt sind Grundformen astronomischer Mimesis, deren ästhetische Prägnanz bis heute nachwirkt und das alltägliche wie das literarische Zeiterleben bestimmt.

Während die Vorlesung den wissensgeschichtlichen Dimensionen der Kalenderordnung nachgeht und die astrokalendarischen Grundlagen unserer Zeitrechnung und Datierungsformen vorstellt, wird der Workshop

2. Online-Workshop per Zoom

Do, 9. 07., 9 – 12 h

Prof. Dr. Alexander Honold: Die Ordnung der Zeit.
Astronomische Mimesis und Kalenderpraktiken in der Kultur- und Literaturgeschichte

Der Workshop richtet sich an DoktorandInnen der Graduiertenschule Literatur, Kultur und Medien und der Bamberger Graduiertenschule für Mittelalterstudien (BaGraMS) sowie interessierte Master-Studierende. Er knüpft thematisch an den Abendvortrag vom 7.7.2020 an und fragt nach den Spielarten kultureller Mimesis, durch die ‚natürliche‘ und gesellschaftliche Zeitordnung jeweils miteinander verwoben sind. Gemeinsame Lektüregrundlage ist Walter Benjamin: Über das mimetische Vermögen / Lehre vom Ähnlichen, die in den VC-Kurs des Workshops eingestellt wird (https://vc.uni-bamberg.de/course/index.php?categoryid=3208). Jenseits des Gesprächs über die Ordnung der Zeit besteht für die TeilnehmerInnen im Workshop die Gelegenheit, eigene Themen und Arbeitsprojekte einzubringen und ggfs. im Hinblick auf die Rahmenthematik zu erörtern. Am besten setzen Sie sich vorab per E-Mail Kontakt mit dem Dozenten in Verbindung (alexander.honold(at)unibas.ch), um ein paar Stichworte zu Ihrem Projekt mitzuteilen, ggf. auch Interessenschwerpunkte und Textvorschläge.

 

Zur Person

Alexander Honold, Prof., Dr. phil., ge­boren am 16. No­vem­ber 1962 in Val­di­via/Chile. Er stu­dier­te Ger­ma­nis­tik, Kom­pa­ra­tis­tik, Phi­lo­so­phie und La­tein­a­me­ri­ka­nis­tik in Mün­chen und Ber­lin. Pro­mo­tion 1994 an der Freien Uni­ver­si­tät Ber­lin mit einer Ar­beit über Ro­bert Mu­sil und den Ers­ten Welt­krieg. Habi­li­ta­tion 2002 an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin mit einer Stu­die über die Astro­no­mie im Werk Fried­rich Höl­der­lins. 1991-1996 Wis­sen­schaft­licher Mit­ar­bei­ter für Neuere deut­sche Lit­er­a­tur­wissen­schaft am Fach­bereich Ger­manistik der FU Berlin; 1991-1993 Lehr­be­auf­trag­ter für La­tein­ameri­ka­nis­tik an der FU Ber­lin; 1993-2002 Lehr­be­auf­trag­ter an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin; 1997-2000 Wis­sen­schaft­licher Mit­arbeiter des DFG-For­schungs­pro­jekts: Kultur- und Literatur­ge­schich­te des Frem­den; 2000-2002 Ha­bi­li­ta­tions­sti­pen­dium der DFG; 2003-2004 Ver­tre­tung des Lehr­stuhls für Deut­sche Li­ter­a­tur und All­ge­mei­ne Li­ter­a­tur­wis­sens­chaft (G. von Graevenitz) an der Uni­ver­si­tät Kon­stanz. Seit Herbst 2004 Ordi­na­ri­us für Neue­re deut­sche Li­ter­atur­wissen­schaft an der Uni­ver­si­tät Basel.

Lehr­tätigkeit u. a. an der Frei­en Universität Berlin, an der Humboldt-Universität zu Berlin, an der Universität Konstanz und an der Universität Basel. Internationale Forschungsaufenthalte DAAD-Forschungsaufenthalt an der New York University (April/Mai 1997); DAAD-­For­schungs­auf­ent­halt an der Stan­ford University/USA (April 1998); Fellow am Kultur­wis­sen­schaft­lichen Ins­ti­tut (KWI) des Wis­sen­schafts­zentrums Nord­rhein-West­falen in Essen (Oktober 1998-Mai 1999); Fellow am Frei­burg Ins­ti­tute for Ad­van­ced Studies (FRIAS) der Uni­ver­si­tät Frei­burg/Br. (Januar–Juni 2013), Senior Fellow am Institut für kulturwissenschaftliche Forschungen (IFK), Wien und Kunstuniversität Linz (Oktober 2017–Januar 2018); Max Kade Distinguished Visiting Professor an der University of California, Santa Barbara, USA (Januar-März 2018); Aby Warburg Professor am Warburg-Haus der Universität Hamburg (April-Juli 2018).

Zahlreiche Buchpublikationen, Aufsätze, Zeitungsartikel und Literaturkritiken. Zuletzt er­schie­nen: Die Tugenden und die Laster. Gottfried Keller, Die Leute von Seldwyla. Basel: Schwabe 2018; Der Erd-Erzähler. Peter Handkes Prosa der Orte, Räume und Landschaften. Stutt­gart: Metzler, 2017. Handbuch Literatur und Musik (Hg., mit Nicola Gess). Berlin, Boston: De Gruy­ter, 2017. Reiseliteratur der Moderne und Postmoderne (Hg., mit Michaela Holdenried und Stefan Hermes). Berlin: Erich Schmidt 2017. Goethe als Literatur-Figur. Göttingen: Wallstein 2016 (hg., zus. mit Edith Anna Kunz und Hans-Jürgen Schrader). Einsatz der Dichtung. Literatur im Zeichen des Ersten Weltkriegs. Berlin: Vorwerk 8, 2015. Die Zeit schreiben. Jahreszeiten, Uhren und Kalender als Taktgeber der Literatur. Basel: Schwabe 2013.

Forschungsgebiete

  • Erzählforschung (Gattungs-, Formen- und Mediengeschichte des Erzählens)
  • Kulturtheorie der Klassischen Moderne
  • Reiseliteratur, interkulturelle und postkoloniale Literaturwissenschaft
  • Semantik der Landschaft und kulturelle Topographie
  • Texte/AutorInnen aus der Schweiz und aus Österreich
  • Literaturtheater und Spiel (in/seit der Goethezeit)
  • Literatur und Musik (Formentransfers, Kooperationen und wechselseitige Thematisierungen)
  • Geschichte kultureller Zeitordnungen (Astronomie, Kalender, Rhythmen und Jahreszeiten)

 

Vgl. die Seiten der Bamberger Germanistik, Lehrstuhl Prof. Marx,
von denen diese Einladung genommen wurde.