Magischer Realismus und interkulturelles Bewusstsein in der deutschen Gegenwartsliteratur: Gastvortrag von Prof. Roland

Mitteilung

Der Gastvortrag findet im Rahmen des Seminars ‚Magischer Realismus‘ von Jonas Meurer statt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur gemeinsamen Diskussion.

Montag, 14. Juni, um 10.15 Uhr via Zoom

Link: https://uni-bamberg.zoom.us/j/97515781679

Meeting-ID: 975 1578 1679

Der Magische Realismus ist heute bekanntlich unter dem prägenden Einfluss der lateinamerikanischen Literatur der Nachkriegszeit ein populäres Leitmotiv der Weltliteratur geworden. In der internationalen Kritik reicht er von Gabriel García Márquez und Isabel Allende bis Salman Rushdie und Toni Morrison, vom nigerianischen Autor Ben Okri bis zum japanischen Bestseller Haruki Murakami. Aus der Sicht der deutschen Literaturgeschichtsschreibung bezeichnet er aber vorwiegend einen Erzählstil und eine Poetik der späten nachexpressionistischen Moderne, die sich Ende der 1950er Jahre mit der entschiedenen Politisierung der deutschen Literatur auflöst. Um Brücken zu schlagen zwischen dem historischen Magischen Realismus in deutscher Sprache und dem internationalen Magischen Realismus postkolonialer und postmoderner Prägung wird folgende These vertreten: Sowohl die Konstruktion einer Gedächtnispoetik in W.G. Sebalds Werk oder in Sabrina Janeschs Roman Katzenberge als auch die originelle Aneignung von bestimmten postkolonialen Zügen in Christa Wolfs Roman Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freund etwa belegen mittel- bis langfristige Kontinuitäten eines Erbes der magisch-realistischen Poetik, die sich um die dominante Idee einer interkulturellen Poetik und Ethik dreht.

Hubert Roland ist Professor für deutsche Literatur und Komparatistik an der Université catholique de Louvain und maître de recherches der belgischen Forschungsgemeinschaft (F.R.S.-FNRS). Er ist Experte für den magischen Realismus in der deutschen und europäischen Literatur, zu seinen weiteren Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte des deutsch-belgischen Kulturtransfers, die vergleichende Imagologie sowie die vergleichende Geschichtsschreibung der Avantgarde.

Monographien: Magischer Realismus und Geschichtsbewusstsein in der deutschsprachigen Literatur (2021); Leben und Werk von Friedrich Markus Huebner (1886–1964). Vom Expressionismus zur Gleichschaltung (2011); Die deutsche literarische ›Kriegskolonie‹ in Belgien 1914–1918 (1999). Herausgeberschaften (Auswahl): Poetologien deutschsprachiger Literatur 1930–1960. Kontinuitäten jenseits des Politischen (mit Moritz Baßler und Jörg Schuster; 2016); Eine kleine deutsch-französische Literaturgeschichte. Vom 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts (2016); Magical Realism as Narrative Strategy in the Recovery of Historical Traumata (mit Eugene Arva; 2014); Deutschlandbilder in Belgien 1830-1940 (mit Marnix Beyen und Greet Draye; 2011).